Joint Security Area revisited

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ich hab mich gefühlt wie auf einer kaffeefahrt. nur ohne heizdecken und so. nicht, dass ich schonmal bei einer fahrt mitgemacht habe (was eigentlich eine schande ist, weil da doch lecker piccolos geköpft werden), aber ich vermute so läuft eine ab.

eine übermotivierte, übergutgelaunte führerin (das wort klingt im zusammenhang mit einem artikel über den besuch einer militäreinrichtung doch eher fremd; ich benutze lieber das wort guide) empfängt dich am hotel und bittet dich in den bus. die vordere hälfte des busses ist besetzt mit japanischen touristen, die hinteren reihen sind den übrigen englischsprachigen touris vorbehalten. mit einem breiten amerikanischen akzent begrüsst uns der guide: “hiiiiiii everyone. my name is Gina-Lee. don´t forget my name. Gina-Lee. i will be your guide on this tour with PTC… blabla”

die dame hat hübsch toupierte haare, tolles make-up und wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, sie arbeitet als thekenkraft in einer dunklen bahnhofskneipe. da es allerdings meines wissens nach keine dunklen bahnhofskneipen in korea gibt, blieb wohl nur der job als touri-guide.

erste station ist das observatory center. eine art museum mit nem stück der berliner mauer und ausblick nach nordkorea. gina-lee klärt uns über den korea-krieg auf und wir treffen einen flüchtling aus nordkorea, die bereitwillig fragen beantwortet. ja, sie hat kontakt mit ihrer familie per telefon. ja, sie schickt geld über china nach nordkorea. ja, die menschen sind wirklich arm. nein, keine fotos, sonst werde ich evtl getötet. anhand einer modells wird die dmz erklärt; wo verläuft die grenze, etc. dann noch ein hartes propaganda-video mit ausgehungerten nordkoreanischen kindern, schwarz-weissen hinrichtungen und der message, dass nordkorea eins der miesesten länder der welt und die kim-familie die schrecklichsten tyrannen ever sind.

IMG_0003(blick über den han-fluss nach nordkorea)

nächster halt ist die unification bridge. eine der wenigen direkten verbindungen mit dem norden. dort gibts nen zerbombten zug als mahnmal zu begucken und ne kleine fotoaustellung der deutschen wiedervereinigung.

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dann das highlight. der ort, wo sich süd- und nordkorea gegenüber stehen. der ort, an dem man im haus über die demarkation-line gehen kann und de facto in nordkorea steht. die dmz ist 4 km breit. 2 km von der grenze im süden zur mitte, weitere 2 km zur nördlichen grenze. in der mitte der ort der begegnung. der ganze komplex hermetisch abgeriegelt und mit vielen militärs bestückt. ein nicht wirklich freundlich aussehender us army soldat ist unser guide und “beschützt uns”, wie uns gina-lee erklärt. wir müssen uns in 2er reihen aufstellen, so wie damals im kindergarten oder bei der bundeswehr. “keine gesten, keine fotos nach links und rechts, nicht rufen, keinen schritt zu weit gehen.”

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wir passieren ein paar südkoreanische elite-soldaten, die emotionslos in der gegend rumstehen und eindruck schinden. gina-lee erklärt uns, dass es extrem schwierig ist in diesen rang aufzusteigen. neben ausserordentlichen physischen und psychischen leistungen muss der anwärter einen sauberen stammbaum haben, deren eltern dürfen nicht geschieden sein und weiteren quatsch. hat man alle hürden erklommen, darf man an der grenze stehen und mit stoischer ruhe sein land mit angriffspose und ausdruckslosigkeit verteidigen. für mich sahen die leute aus wie wachsfiguren. madame tussauds in korea. vielleicht auch lebende tote. menschen werden gelblich nach ihrem tod. und bewegt haben sich die soldaten mit den fliegerbrillen und den zu grossen helmen auch nicht.

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insgesamt schon wirklich interessant. eine seltsame stimmung innerhalb dieses geländes. rund um die blauen holzhäuser ist es absolut ruhig, man hört nur die grillen zirpen. die soldaten geben keinerlei geräusche von sich. vorm nordkoreanischen wachhaus steht nur ein einsamer soldat rum. wüsste man nicht, dass die beiden länder im kriegszustand sind und nur nen waffenstillstand haben, könnte man denken: “ach doch ganz friedlich hier.”

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