Arrakis – Dune – desert planet

Es wird mir zwar niemand glauben, aber ich will es trotzdem festhalten und öffentlich machen:

IN MUI NE GIBTS EINE UNTERSEEISCHE RAKETENABSCHUSSBASIS MIT HIN- UND RÜCKFLUG NACH ARRAKIS!!!!!!!!1111

Ich bin nur durch Zufall drauf gestossen. Eines morgens nach ausgiebigem Feiern mit trinkwütigen Russen im Dragon Beach Club stolperte ich an ein paar Seafood Restaurants vorbei, die so gerade im begriff waren zu öffnen. Ich hatte tierischen Kohldampf, wie gesagt: nach ausgiebigem Feiern! Da sich alle Restaurants im grunde ähneln und dieselbe Palette an Fisch und Gekröse bieten (von ordinärem Fisch über ordinärem Seafood hin zu Schildkröten, Fröschen, Haie und teilsezierte Krokodile), habe ich mich für “Mr Crabs” entschieden. Diese Wahl sollte sich als definitiv richtig herausstellen.

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Ich vermute, dass die Bediensteten von “Mr Crabs” im laufe des Tages in lustigen Spongebob Kostümen herumrennen und etliche Zitate den Gästen auftischen. Da es jedoch noch so früh am Morgen war, sahen die Leute eher schläfrig als lustig aus  und hatten als Uniform nur Mr Crabs-Shirts an. Dennoch, Vietnam steht nie still und money rules the world. Die Cola war schnell bestellt und der Tintenfisch Spiess im nu aufm Grill. Mit herrlicher Inbrunst kam der duftende squid auf meinen Tisch und liess meine Augen leuchten. Dies muss der Bedienung aufgefallen sein, da mich der junge Vietnamese fragte: “Do you like squid?” Ein Tentakel aus dem Mund hängend antwortete ich: “Absolutely!”  “So maybe you are interested in space squid?” Die Kombination aus Essen (oder Trinken) und dem Wörtchen “space” ist mir im zusammenhang mit Südostasien durchaus geläufig, dennoch ist es eine krude Idee, einen Tintenfisch mit halluzinogenen Pilzen oder Marihuana zu servieren. Mein etwas wirrer Blick liess den Kellner zur Sache kommen: “Look, it is a well hidden secret. Since 40 years we have an interstellar rocket launch site here in Mui Ne. There goes about one rocket in three years. Why? Because not everyone is allowed to know about. The builder of the site was a huge squid lover. He established the rule that only people with a deep passion for squid will have the chance to fly with the rocket. While and after ordering your squid I noticed you have a fire deep inside burning you that told me: he is allowed to! So I ask you only one time: Do you wanna fly with the rocket? Before you answer let me tell you one more important thing. The builder´s brother-in-law was a guy called Frank Herbert. As we all know he wrote a famous science-fiction novel called “Dune”. A story about a young boy fighting evil on a desert planet somewhere in space. That place is real! Herbert discovered it after using the rocket. Whatsoever there is only one place the rocket can go to: Arrakis, Dune, the desert planet. So my final question: Do you wanna go to Arrakis, now!?

Dass mir der Tintenfisch im Hals stecken blieb ist wohl nicht verwunderlich. Was habe ich doch das PC Spiel Dune II (online for free spielbar HIER) und den Film gefeiert. Und nun soll ich leibhaftig dort hin fliegen? Mit einem ordentlichen Schuss Restalkohol und der daraus resultierenden Unvernunft antwortete ich: “Hell yeah!”

Gesagt getan. Nachdem ich noch schnell die Cola austrank und kurz auf mein Wechselgeld warten musste, führte mich der Kellner in die Küche. “Here you go.” Er öffnete eine Luke unterhalb der Spüle und deutete mir an, die extrem dunkle, extrem lange Treppe hinabzusteigen. “Have fun.” Fröhlich winkend schloss er die Luke über mir. Nach etwa 8 Minuten Abstieg erreichte ich eine Tür mit einem Bullauge. Eine asiatisch aussehende Dame mit einer obskuren Kopfbedeckung öffnete mir die Tür und bat mich herein zu kommen. So viel Gewusel hatte ich beileibe nicht erwartet. Alle Menschen die hier unten herumrannten hatte exakt dieselben Mr Crabs-Shirts an wie die Kellner an der Oberfläche. Nur die etwas albern aussehenden Tentakelhüte passten nicht zum Gesamtoutfit. Die blinkenden Monitore und das etwas angestaubte Design dieses Ortes hätten wunderbar in einen Roger Moore- James Bond Film gepasst, die herumeilenden Mr Crabs-Shirts jedoch machten diesen Eindruck zunichte. Die Dame führte mich durch die Räumlichkeiten und erklärte mir die Regeln und den weiteren Ablauf: Keine Fotos von der Squidrocket, keine Fotos der Squidbasis. Aufenthalt auf Arrakis 3 Stunden, danach direkter Rückflug. Da es immer noch lebende Sandwürmer auf Arrakis gibt, musste ich eine Erklärung unterschreiben, dass ich im Falle eines Schadens durch einen Wurm die Flugveranstalter nicht haftbar machen kann. Fair enough!

Mir wurde eine Schlaftablette für den Hinflug gereichtt und eine weitere für den Rückflug mitgegeben. Da ich sehr aufgeregt (und noch leicht angetrunken) war, hab ich mir die Tablette sofort reingepfiffen. Ich kann mich leider nicht mehr dran erinnern, wie ich in die Rakete gekommen bin, noch wie der Flug war. Dies spielte jedoch keine Rolle, da ich beim Aufwachen im direkten Landeanflug auf Arrakis war.

Kurze, aber heftige Landung und ab, raus! Die Zeit ist begrenzt, jede Sekunde zählt.

Nach der Besteigung der ersten Düne bot sich mir die ganze Schönheit dieses Planeten. Davon musste ich ein paar Fotos machen:

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Da mir obiges Foto natürlich nicht sofort gelungen ist (man stelle sich vor: Kamera mit Minidreibein im Sand verankern, 30 sek Timer an, schnell die Düne runter rennen, im richtigen Moment hüpfen und wieder hoch und nachschauen), sondern in etwa 24 Anläufe brauchte, merkte ich gar nicht wie meine Performance von einer kleinen, unscheinbaren Gestalt beobachtet wurde. Wie aus dem Nichts kam ein haariges Etwas herbei und stellte sich als “Phill Spiceburger” vor. Bei meiner Einführung in der Raketenbasis wurde mir erzählt, dass es ein Wüstenvolk namens Fremen auf Arrakis gibt. Dass ich diese Menschen (Menschen?) jedoch zu Gesicht bekäme, hätte ich nicht für möglich gehalten. Wir quatschten ein wenig und ich erzählte ihm, dass der FC Bayern mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder einmal deutscher Fussballmeister wird. Ebenfalls sehr geknickt durch diese Information meinte Phill, wir sollten etwas Schönes machen, etwas was Freude macht. “Wir Fremen malen zu unserer Belustigung riesige Sandbilder. Sag mir, mein Freund, was fällt dir als erstes zum Thema Abhängen ein?”

Und schon fingen wir an zu malen.

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Nach 10 anstrengenden Minuten war das Werk vollendet.

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Doch damit nicht genug. Phill meinte, wenn ich schon einmal auf Arrakis sei, muss ich unbedingt einmal einen Sandwurm reiten. Da es keinerlei Autobahn oder Züge auf dem Planeten gebe, sei die einzige Fortbewegungsmöglichkeit der Ritt auf einem Wurm. Ein kurzer Blick auf meine Uhr sagte mir, dass ich noch gut ewas über eine Stunde Zeit hätte. Das sollte also kein Problem sein. Wir gingen zusammen zur nächsten Fremen-Siedlung und Phill machte mich mit seiner Familie und seinen Freunden bekannt. Eine kurze Einführung und Sicherheitsbelehrung folgte und schon waren wir bereit zum Ritt. Ich liess aus Sicherheitsgründen meine Kamera in der Siedlung, um die Zügel besser greifen zu können. Keine 5 Minuten nach dem ersten Abklopfen des Bodens (die Würmer reagieren auf Vibration) erschien ein prächtiges Exemplar. Ich schätze 40 m im Durchmesser und etwa 300m lang. Phill half mir beim Aufstieg, da der Wurm nicht anhielt und bei ca. 15 km/h die Besteigung eines Riesenwurms alles andere als einfach ist. Oben angekommen verankerten wir die Lenkseile unter seinen riesigen Schuppen und fingen an das Vieh zu lenken. Moped fahren in Laos hat ja schon wirklich Spass gemacht, aber diesen Ritt werde ich nie vergessen! Wir sind kurz an der Siedlung vorbeigefahren, damit sein Onkel ein Foto von uns schiessen konnte.

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Nach etwa 20 Minuten wurde der Wurm müde und hielt nicht weit von meiner Rakete an. Voller Adrenalin bedankte ich mich bei Phill für die unglaubliche Zeit und versprach eines Tages wieder zu kommen. Jetzt müsse ich jedoch erst als nächstes 4 Wochen nach Thailand, um ein Thaiboxer zu werden. Die Muskeln, die ich mir dort antrainieren werde, sollten das nächste mal ausreichen, um den Wurm allein zu bändigen. Das wär ja mal was!!

Ich verabschiedete mich, bestieg die Squidrakete und warf mir die Rückflugtablette ein. Vom Flug weiss ich nichts mehr, ebensowenig von der Landung. Ich erwachte am Sandstrand von Mui Ne, in der Nähe vom Mr Crabs-Restaurant. Ein wenig zittrig auf den Beinen zwinkerte ich dem vietnamesischen Kellner mit dem albernen T-Shirt zu und machte mich auf den Weg Richtung Guesthouse.

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2 thoughts on “Arrakis – Dune – desert planet

  1. sosimple80 says:

    Eine wunderbare Geschichte, gerade erst gelesen, very lovecratian!

  2. Michael says:

    Bitte mehr davon! Und danke für die schöne Geschichte, micha

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